Ecuador
Im Frühjahr 2007 zieht es die vier Mountain-Maniacs Alex Hofer, Flo Ebenbichler, Andi Klinger und Tom Recheis in das faszinierende und facettenreiche südamerikanische Land Ecuador. Ein Land, in dem bestimmt jeder auf seine Kosten kommen würde – Berge, Dschungel, Meer, Kultur, Galapagos, Inka,...

Uns ziehen vor allem die Berge dort hin, welche auch den „Urlaub“ dominieren und prägen. So verbringen wir 3 Wochen damit, Berge zu besteigen. Nur die letzten Tage, als wir schon alle recht ausgebrannt sind, schauen wir uns noch den Dschungel an.

Als in der ersten Nacht in Quito gleich 3 ohne Geldtaschen da stehen, wissen wir, dass hier andere Sitten herrschen und wir können uns gleich gut anpassen. Nach der ersten Nacht in der Jugendherberge (welche für uns auch eine Art Zwischenstation und Materialdepot darstellt und anscheinend auch Ausgangspunkt für wilde Parties ist...) zieht es uns gleich, dem Jetlag zum Trotz, in den Norden Richtung Otavalo, um den ersten Akklimatisierungsberg zu besteigen. So verbringen wir die zweite Nacht gleich auf 3800 m und besteigen am Folgetag den 4263 m hohen Fuya Fuya, welcher uns am Gipfel ein ideales Plätzchen für die ein oder andere Partie High-Altitude-UNO bietet. Aufgrund der Spannung im Spiel wird sogar auf die stark erhöhte Sonnenstrahlung vergessen, welche den prominenten UNO-Sonnenbrand am Handrücken und Daumen mit sich bringt.

Den nächsten Programmpunkt soll der Vulcan Cotacachi (4939 m) darstellen. Sauwetter, und Orientierungslosigkeit ziehen uns hier einen Strich durch die Rechnung. Wie wir im Nachhinein feststellen, soll es dort fast nie trocken sein. So machen wir eine zweitägige Tour um die Laguna de Cuicocha, nicht zuletzt um die Regentauglichkeit unserer Ausrüstung und Nerven auszuloten.

Wieder in Quito angelangt besteigen wir den nahe gelegenen Rucu Pichincha (4700 m), welcher zwar nicht sonderlich spektakulär ist, aber nicht desto trotz unseren Respekt vor der Höhe bestärkt.

Es ist inzwischen eine Woche vergangen und wir fühlen uns stark und akklimatisiert genug, um den ersten höheren Berg zu besteigen. Der Cayambe ist der dritt höchste Berg Ecuadors mit 5790 m, also rund 1000 m höher als der Mont Blanc. Dort verbringen wir zwei mehr oder weniger schlaflose Nächte im Refugio, wobei wir dann in der zweiten Nacht aufbrechen. In der gleichen Nacht starten auch noch zwei Kolumbianer mit jeweils einem Guide, denen wir ca. eine Stunde Vorsprung geben wollen um uns nicht zu verirren – leider überholen wir sie schon nach wenigen Minuten und sind somit auf uns alleine gestellt. Trotz großer Anstrengungen erreichen wir den Gipfel deutlich unter der Richtzeit und wir erleben einen wunderschönen Sonnenaufgang. Den Abstieg erschwert uns ein starker Wind, der der uns kaum gerade gehen lässt.

Nach einer gebührenden Gipfelfeier in Quito beschließen wir den Cotopaxi von der Liste zu streichen – zu dicht wäre der Plan, außerdem soll der Cotopaxi überlaufen sein und es sei nicht erlaubt, ihn ohne Guide zu besteigen. So konzentrieren wir uns auf den Chimborazo und besteigen zum Akklimatisieren noch den Illinizia Norte (5126 m). Obwohl das Refugio wirklich nicht das beste ist, Pilze fühlen sich dort sichtlich wohler als Menschen, bleiben wir dort zwei Nächte in der Höhe, um uns daran zu gewöhnen, sodass wir dann nicht am Chimborazo scheitern werden. Das Wetter ist schlecht, der Nebel lässt keinen Blick auf den Gipfel zu. Nach der zweiten Nacht besteigen wir dann im Eilgang den Gipfel, vermutlich waren noch nicht viele schneller oben als wir es sind. Das spektakulärste an der Sache ist der Abstieg – eine gewaltige Reise lässt und den Reisenlauf auch in Ecuador einführen (das Training im Karwendel hat sich ausgezahlt, vermutlich stiegen hier auch noch nicht viele schneller ab als wir).

Jetzt ist es soweit, wir kommen zum Höhepunkt unserer Expedition – der Chimborazo. Der Chimborazo ist mit 6310 m der höchste Berg Ecuadors und aufgrund seiner Lage nahe dem Äquator (die Erde hat hier den größten Durchmesser) somit auch die höchste Erderhebung, der nächste Punkt an der Sonne. Die Anreise wird nicht sehr einfach. Zuerst steht eine sechsstündige Busfahrt an. Ein österreichischer Busfahrer braucht dafür wahrscheinlich doppelt so lange. Extremes Glück oder übermenschliche Fahrqualitäten des Fahrers sichern unser Überleben. Die Fahrt führt uns von einer Wolkendecke durch die andere und wir sind skeptisch, ob das Wetter überhaupt einen Gipfelsieg zulassen wird.

Wie durch ein Wunder reißt der Himmel plötzlich auf und der mächtige Chimborazo türmt sich vor uns auf. Eines ist klar: wir müssen gleich rauf! Eigentlich planen wir 2 Nächte im Refugio zu verbringen, aber dieser Wetterumschwung lässt uns keine Wahl. Im Refugio angekommen kochen wir Gott sei Dank zum letzten Mal unser Expeditionsessen auf, bereiten alles vor und legen uns noch bis Mitternacht in den Schlafsack. Der Wecker müsste nicht läuten, wir sind bereits alle wach. Im Dunklen wird noch alles gepackt und angezogen. Gleich am Anfang wählen wir eine schlechte Route. Wir kämpfen uns einige hundert Höhenmeter durch einen Sandkessel – ein Schritt vor, zwei zurück. Das kostet uns sehr viel Kraft. Wir sind erleichtert als wir das Eis des Gletschers erreichen. Die Sicht ist gut, wir haben beinahe Vollmond. So steigen wir Meter für Meter hinauf. Die Höhenangaben unserer Höhenmesser machen uns das Leben nicht leichter:

Hey Andi, waren des jetzt schon 50 Höhenmeter?“ ...schweigen... “Na!!“

Warens mehr?“

Na!“

Wie viele?“

...17“

Scheiße!!“

Trotz teils sehr großer Mühen erreichen wir alle erfolgreich den Gipfel. Oben angelangt scheinen alle Strapazen vergessen. Ein gewaltiger Sonnenaufgang mit einer überwältigenden Aussicht gleichen alles wieder aus und wir tanken noch Energie für den Abstieg. Dieser zieht sich doch sehr, wir trennen uns dann mittendrin auf in 2 Gruppen. Nach einigen Pausen (mit kurzem „Minutenschlaf“) gelangen wir alle gut und vor allem gesund und unverletzt unten am Refugio an. Wir legen uns davor auf den Boden und bleiben einfach ein paar Stunden liegen, erschöpft von der Anstrengung.

Wir haben nun alles erreicht was wir erreichen wollten, und beschließen die letzten Tage locker anzugehen. Wir lassen es uns gut gehen, besuchen Thermen und machen noch eine kleine Tour durch den Dschungel.


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