Letzte Woche hats mir der Bettelwurf besonders angetan – teils unfreiwillig als Notlösung. Vom flotten Kraxeln über Laufen bis zur schönen Sonntagstour war alles dabei…
Am Mittwoch (23.9.) ging ich mit Jojo meine Lieblingsbergtour: Hüttenspitze – Wechselspitze (übern Südgrat) – Bettelwurf Osteck - Bettelwurf – runter. Da Jojo aufgrund seiner vielen großen Touren im Sommer für die Quali zur Bergführerausbildung auch ziemlich fit ist, kamen wir flott voran und erreichten den großen Bettelwurf um halb 12. Die Gratkletterei verlief auch für mich gut – es war meine erste Kraxeltour im Karwendel seit dem Unfall vor 2 Monaten, so langsam gehts wieder bergauf mit der Psyche. Anschließend gabs natürlich ein Bier auf der Bettelwurfhütte, wobei mir Gabi einen schönen Schein als Beitrag für unsere MMillion in die Hand drückte – vielen Dank!
Der Samstag war dann der große Tag, nach einen kleinem einstimmenden Berglauf am Donnerstag und dem freitäglichen Ruhetag fühlte ich mich fit und aufgeladen. Patrizia, die mit einer Damenrunde freitags auf die Bettelwurfhütte aufgestiegen ist und am Samstag den Bettelwurf im Sinn hatte, hab ich eine warme Jacke und die Stöcke für den Abstieg mitgegeben, da ich ohne Gepäck startete – danke fürs Tragen, Frau P.(ackesel) ;)
Ich ging jedenfalls um halb 10 nur mit Trinkgurt bewaffnet von daheim weg und spazierte zum Aufwärmen ganz gemütlich hinauf ins Halltal zur 2.Ladhütte. Da gabs einen kleinen Riegel und die Laufschuhe wurden noch einmal fest gebunden. Dann drückte ich auf der Holzbrücke übern Weißenbach den Startknopf meiner Stopuhr und wetzte los in Richtung Bettelwurf, was das Zeug hielt. Würde ich mein Ziel erreichen?
Über die Schotterreise gings super dahin, ich konnte gleichmässig laufen und fühlte mich den Verhältnissen entsprechend entspannt. Ab dem Einstieg in den Alten Schlag wurde es dann härter – hier ists durch die hohen Tritte über Steine, Wurzeln und die Felspassagen wesentlich ungleichmässiger zu Laufen, man kann praktisch keinen Rhytmus finden. Ziemlich genau beim Holzschild “Alter Schlag” begang ich dann den großen Fehler, überholte eine Gruppe einfach viel zu schnell, und trieb meinen Puls dabei gefährlich nahe ans Maximum. Dass das zu schnell war, spürte ich erst zu spät, ich brauchte mehr als 500 Höhenmeter, bis ich mich wieder halbwegs erholt hatte. Über die steilen Stellen hetzte ich teilweise wie ein Tier auf allen Vieren den Weg hinauf. Endlich kam die Abzweigung zum Großen Bettelwurf, immer noch brannte das Zwerchfell von der Überholaktion. Wie lang ich bis hierher wohl gebraucht habe? Auf die Uhr schaute ich nicht, ich wollte einfach nur laufen.
Am Eisengattergrat gings dann wieder besser dahin, hier konnte ich wieder eine Zeit lang gleichmässig laufen, erst vor den Felspassagen wurde es wieder so steil, dass nur schnelles Gehen möglich war. Wenn ich mich nicht gerade auf den Oberschenkeln abstüzte, nahm ich alles in die Hände, was zum kriegen war und zog mich unterstützend hinauf. Am Westeck des großen Bettelwurfs schrie jemand herüber – es waren die Damenrunde, die vom Kleinen Bettelwurf herüberkam – sie schienen mich wohl zu erkennen… Endlich kamen die letzten Meter über die Eisenstifte zum Gipfel, ich gab noch einmal alles und wühlte mich auch da noch hinauf, dann noch ein kurzer Sprint über den Gipfelgrat, Hände ans Gipfelkreuz und Stoptaste auf der Stoppuhr – jawohl! Mein Ziel von 1h30min hatte ich erreicht, ich blieb sogar recht deutlich drunter. Einige Leute am Gipfel hielten mich wohl für verrückt – warum tut sich jemand sowas an? Nein, angenehm wars sicher nicht – aber eben das Gefühl danach, ein Ziel erreicht zu haben, ist die Qualen halt doch wert.
Kurz danach kamen auch die Damen mit wertvollem Rucksackinhalt daher – als Gipfeljause gabs Schnitzel, Kasbrote, Tomaten, Zwetschgen und natürlich auch ein Schlückchen aus dem Flachmann – vornehm geht die Welt zugrunde!Den Nachmittag verbrachte ich dann auf der Hütte, zuerst traf ich zufällig Klaus aus Absam, als ich dann absteigen wollte, kamen noch Kurt, Much und Andi daher (sie haben Wechsel – Osteck gemacht ( siehe Bergsteigerriege) und so wurde es auf der Hütte halt doch noch etwas länger – lustig wars auf jeden Fall.
Sonntags wollten Patrizia und ich eigentlich gemütlich Klettern gehn, allerdings scheiterte dieses Vorhaben an unserer Planlosigkeit. So erkoren wir dann den Haller Rosskopf zum Alternativziel, leider war das Halltal aufgrund einer Kunstveranstaltung auf St.Magdalena überfüllt und die Straße gesperrt, wir konnten nicht reinfahren. Und zum hinaufgehen wars auch schon zu spät. So ging ich halt die Woche zum 3. Mal eine Tour aufs Bettelwurfmassiv – wir stiegen über Alpensöhnehütte und Hüttenspitze über den schönen Südgrat auf die Wechselspitze. Der Aufstieg wurde ständig begleitet von knatternden Hubschrauberrotoren – am Kleinen Bettelwurf war ein deutscher Bergsteiger verunglückt…
Der Abstieg über die Wechselreise ging dann flott dahin, die Reise ist über weite Strecken in gutem Zustand und man kann volle Kanne hinunterlaufen.
Die Klettertour auf die Wechsel ist schön, der Lauf auf den Bettelwurf nur für masochistisch veranlagte Bergsteiger zu empfehlen.
