Tizi und ich verbrachten 2 Wochen im sehr, sehr schönen und ebenso großen Frankreich – die meiste Zeit hielten wir uns im Südwesteck des Landes auf. Gereist, gewohnt und geschlafen wurde in meinem Boliden, der entweder einen Haufen Zeug (einige auch nicht notwendige Sachen … ;) ), oder zwei Leuten gemütlich Platz zum Schlafen bietet – in Kauf nehmen muss man halt eine gute halbe Stunde umpacktln pro Tag – was solls…
Neben Plantschen im richtig großen Meer an der Cote d’Argent nördlich von Biarritz hatten wir auch einige (spontan auszuwählende) Runden mit den Rennrädern am Plan, ich hab mich auf der hilfreichen Homepage Quäl dich! ausgiebig informiert … in den Pyrenäen warteten mehr als genug Berge auf uns. Leider haben wir nur eine alte Schweinskamera dabei, daher sind nicht alle Fotos besonders gut gelungen. Zudem war es mir beim Schreiben zu mühsam die ganzen Accents ( ´, ` und ^) bei den Namen und Wörtern zu setzen … die darf sich also jeder selbst dazudenken ;)
Gleich auf der Hinfahrt gefällts uns im Massiv Central, ein kleines Stück südwestlich von Clermond-Ferrand so gut, dass wir beschließen, am Sa (7.8.) einen Radlvormittag in die lange Autofahrt einzuschieben. Geplant war eine Runde von Mont Dore über den Col de la Cruix St.Robert (1450m) und nach Osten runter, über Hügel und Ortschaftln nach Süden und so wieder zum Ausgangspunkt. Leider fand genau an diesem Tag ein Autorennen von der anderen Seite auf den Berg statt, so dass die Abfahrt hinten runter gesperrt war. Wir fuhren also wieder runter in unseren Ort, um nach Westen ein die Landschaft zu erkunden, nach einer halben Stunde hatte ich einen Patschen und wir brachen ab, irgendwie hats nicht sein sollen… schön wars aber trotzdem, keine Frage!
600hm / 35km / landschaftlich sehr schönes Vulkangebirge
Nach zwei Tagen im Wellenbad erkundeten wir am Dienstag die ewig weiten Kiefernwälder auf den Straßen um Leon und machten so eine nette Runde zum Aufwärmen, mehr als 100hm waren auf den knapp 60km halt nicht drin ;)
Mittwochs hatten wir dann einen nicht sehr einladend klingenden Berg im Visier, den zwischen Biarritz und San Sebastian in Spanien gelegenen “Scheisskibel” (geschrieben: Jaizkibel, 450m direkt am Meer). Wir starteten die Tour am Col d’Ibardin (350m) an der Grenze FR-ESP vor einem riesen Shoppingcenter in der Zollfreizone (wussten wir vorher nicht…), wo der erste, wahrhaftig beschissene Teil der Tour startete. Wir fanden die kleine Landstraße nicht und fuhren so auf der Nationalstraße die Küste entlang von Urrugne nach Hondarribia in Spanien, wo endlich der Anstieg auf den Jaizkibel mit kaum Verkehr beginnt. Die 450hm gehen angenehm unsteil rauf, die Ausblicke auf die Küste und das Meer sind herrlich. Hinten runter in Richtung San Sebastian fährt sichs auch herrlich, bis man plötzlich in einem Umschlaghafen für Schrott und Kohle und einem Heizkraftwerk … was für ein Kontrast!
Nach einer Irrfahrt durchs Spaniettenland (meine Karte hörte leider 20km zu weit östlich auf ;) ) fanden wir dann doch zu unserer geplanten Route und rollten von Arragua ein schönes, dünn besiedeltes Tal fernab von den Touristenströmen nach Osten und über den Arditurri (~480m) und noch einen zweiten, unaussprechlichen Pass (500m), wobei zwischen den beiden der Errata-Stausee liegt, nach Lesaka, wos im Dorfcafe einen Cafe gab. Herrlich einsame Gegend, in der es sicher viele Straßln zu erkunden gibt!
Von Lesaka gings nach Bera und wieder rauf zu unserem Shoppingcenter, wo wir uns die Zutaten für unser wohlverdientes, gegrilltes Abendmahl besorgten.
1900hm / 90km / schöne Gegend, ein bissl weg von der Küste ist gleich viel weniger los
Nach der abendlichen Fahrt weiter in die Pyrenäen rein wollten wir am Donnerstag die teils spektakulären (laut Beschreibung) Passstraßen um St.Jean Pied le Port im Val de la Nive (Pyrenees Atlantiques) erkunden. Daraus wurde aber leider nur eine Regenwanderung, wo wir immerhin beobachteten, wie gezählte 42 (!) Aasgeier ein Schaf verspeisten.
Das Warten auf Wetterbesserung bis Freitag brachte keinen Erfolg, so zogen wir unverrichteter Dinge wieder ab ans Meer. Wärmer wars dort zwar auch nicht, aber der Regen beschränkte sich auf Schauer, und die 21°C Wassertemperatur blieben auch erhalten…
Nachdem die Wetterberichte für Anfang der Woche wieder Sonne verkündeten, stießen wir am Sonntag Abend ins Herz der Pyrenäen, die Hautes Pyrenees und suchten uns in Luz Saint-Saveur im Gavetal (südlich von Lourdes) ein Platzl zum Schlafen. Tour de France – Kenner werden schon aufhorchen: ja, da gehts auf den Tourmalet!
Am Montag gabs dann einen Kaltstart, das Autothemometer zeigte erst im Schatten +6°C, dann in der Sonne immerhin +10, als wir uns auf DEN Pyrenäenklassiker Col de Tourmalet (übersetzt: schlechter Weg, 2115m) schwangen. Leider war hier ziemlich viel Autoverkehr, die Landschaft bis weit hinauf sehr grün und *kühtaiähnlich*. Die letzten paar hundert hm wurden dann mit den auf und auf vollgepinselten Serpentinen etwas spektakulärer, bevor wir oben inmitten der Touris ankamen. Wahnsinn, wieviele Kübel Farbe da in Form von Anfeuerungen an die großen Radstars auf die Straßen gemalt wurden… Unsere Wege trennten sich, wir fuhren zwar beide hinten runter nach Saint Marie de Campan, aber Tizi drehte dann wieder um, während ich noch mehr vorhatte.
Erst gings auf den Col d’Aspin (1485m), dieser war landschaftlich fast schöner als der Tourmalet, dafür war kaum mehr Verkehr. Wieder hinten runter nach Arreau, von wo ich dann die einzigen flachen Kilometer des Tages nach Beyeres kurbelte. Wegen des starken Gegenwinds waren diese aber fast mühsamer als eine gscheide Steigung, aber weit wars gottseidank nicht. Von Beyeres führt eine sehr einsame, schmale Straße durch viel Wald und im oberen Bereich ein paar Schaf- und Ziegenherden auf den Col du Beyeres (1460m), am Weg dorthin keinen Menschen getroffen!
Von dort Abfahrt auf einer teils schlechten Straße zurück nach Saint Marie de Campan und erneut gute 1300hm auf den Tourmalet – so ganz fit war ich dann oben nimmer, auch weil die Auffahrt von dieser Seite zwar unten flacher, dafür oben umso steiler als die andere Seite ist. Nach exakt 7h Fahrzeit war ich dann wieder in Luz, wo die Tizi in der Sonne lag, statt mir, dem armen Kämpfer, ein Essen zu kochen … tztz sowas aber auch ;)
4250hm / knapp 130km / schön und weit, am Tourmalet leider sehr viel Autos, obwohls sicher nicht der schönste Pass der Pyrenäen ist
Die Zimmersuche am Vorabend war erfolglos, also wurde wieder im Auto geschlafen – auch wurscht. Mit dem Port de Buchero (2250m, Grenzpass ohne Straße von Spanien) und dem Cirque de Troumouse (2105m) haben wir uns wohl zwei der schönsten Berge vorgenommen. Zuerst gings aber das lange Tal von Luz St.Saveur hinein zur Gabelung nach Gedre, weiter nach Gavarnie, wo wir in einen fast 5km langen Autostau gerieten … halb Frankreich am Weg zum berühmten Wasserfall am Ende des Tales, wahnsinn, wie so viele Menschen in ein Bergtal passen! In Gavarnie war der Trubel aber gleich vorbei, hinauf zu unserem Col, dessen Auffahrt durch ein Skigebiet und schroffe Felsgipfel führt.
Die Straße schlängelt sich gleichmässig und nicht allzusteil hinauf, der letzte, flache km war dann für Autos gesperrt, wir mussten unsere Radln ein paar mal über Felsbrocken hieven.
Nach windgeschützter Passjause fuhren wir wieder ab bis nach Gedre, wo noch einmal 1000hm hinauf zum Cirque auf uns warteten … in der Nachmittagssonne wars im unteren Teil ziemlich heiß, schwitzen angesagt! Vor allem ab der Mautstation wieder wenig Autoverkehr (auch wenn der Parkplatz oben übervoll war) und atemberaubend schöne Landschaft, die 35 Kehren auf den letzten 7km sind sowieso toll zu fahren. Oben dann ein toller Anblick, so wie die schroffen Felswände im Kreis (Cirque) um die Hochebene aufgestellt sind!
2650hm eigentlich (für mich ein Paar hundert mehr, aufgrund von Späher- und Begleittätigkeiten…) / 100km / wahnsinns Landschaft!
Nach einer Hotelnacht (auch mal sehr angenehm zwischendurch…) Tag 3 unserer Pyrenäentour: Start in Argelles Gazost – Col de Spandelles – Abfahrt nach Ferrieres – Col de Soulor – Col d’Aubisque – Soulour und runter nach Argelles. So der Plan, gekommen ists anders … es wurde eine, für Rennradverhältnisse traillastige Rennradtour. Ich hab dummerweise die Karte im Auto vergessen und nicht gut genug vorausgeplant, so dass wir uns auf der Suche nach unserem Col (wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass wir den eh angeschriebenen de Spandelles suchten ;) ) nach einer Stunde im Gemüse landeten und in der Hoffnung auf Besserung einen Schotterweg weiterfuhren. Besser wurde es nicht, eher schlechter … kurzum: wir plagten uns mit unseren Rennräder fast 1,5h über steile Schotter-, Wald- und Wiesenwege, mehr schlecht als recht, bis wir oh Wunder auf eine Asphaltstraße kamen, über die gelangten wir auf den Col de Spandelles (1375m).
Leider wars dann schon so spät (wollten noch Biarritz besichtigen, etc), dass wir die Tour abbrachen und nach Argelles abfuhren. Aubisque, ich komme wieder!
Wenigstens ein Abbruch ohne schlechtes Gewissen, in den 3 Tagen immerhin über 8000 bzw. 6000hm gemacht, das passt schon.
1200hm / 35km (davon sicher 10 oder mehr im Gelände…) / leider verirrt, sonst sicher landschaftlich super Runde mit ~2000hm!
Alles in allem wars ein super Urlaub in einer sehr schönen Gegend, die mit einer vorbildlichen touristischen Infrastruktur (gute, neue Straßen, kostenlose bis sehr günstige öffentliche Stellplätze Wohnmobile&Co mit Duschen, Wasser, Wcs, …, Duschen und viele Zugänge zu Wasser) ausgestattet ist. Wettermässig wars ok, leider halt 4 schlechte bzw. halbschwindlige Tage, die eine große Radtour verhinderten.
Die Pyrenäen sind ein lässiges Gebirge, in dem man sicher nicht nur mit dem Rennrad, sondern auch in Bergschuhen und Tourenskiern super Sachen machen kann!
Und kulinarisch ist Frankreich sowieso immer eine Reise wert, vor allem die Unzahl an verschiedensten Käsen, Broten und Crepes habens uns angetan. Auch die Terrinen und Schinken sind ein Genuß, wie wahrscheinlich noch einiges mehr. Daher: Frankreich, ich komme wieder ;)

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