Nach langer, langer Pause rückte endlich wieder einmal die Alex-Combo aus, wobei sich die wackere Tizi uns anschloss. Wie üblich wählten wir ein Ziel, das an Mühsamkeiten nicht spart: Überschreitung der beiden Sonnenspitzen im Karwendelhauptkamm. Angereist wurde zur Kastenalm, dem Ausgangspunkt der Tour, auf verschiedenste Art und Weise: AlexH war bei Johanna in Seefeld einquartiert und fuhr mit dem Auto nach Scharnitz, von dort mit dem MTB weiter. Tizi nahm den Scharnitzexpress der ÖBB und radelte dann auch mit dem MTB zur Kastenalm, unterwegs traf sie natürlich mit dem Alex zusammen.
Ich wollte es wissen und startete um Punkt 6 Uhr in der Finsternis von Hall weg mit dem MTB, parkte dieses dann am Issjöchl und ging übers Lafatscherjoch (2080m, von dort war die markante Felspyramide der Südlichen Sonnenspitze in der Morgensonne schon gut zu sehen) und Halleranger hinaus zur Kastenalm (1215m), wo ich pünktlich wie die Eieruhr um 9:20 auf die anderen beiden stieß.

Nach einer kurzen Jause schauten wir, dass wir weiterkamen - denn in dem schattigen Loch wars saukalt. Wir gingen ein Stück ins Rossloch, bis dann nach Norden der überraschend gute Steig zum Moserkar abzweigte - hier gabs dann endlich ein bissl Sonne. Vorm Moserkar nahmen wir dann den Weg nach rechts ins Große Kühkar und stiegen dann dieses weite Kar über Grasmatten und nach oben immer mehr werdendem Schotter zur Scharteauf 2400m, die nach Norden verwegen überhängend zur Falkenhütte abfällt. Bis daher verlief der Aufstieg bis auf einen ganz kurzen Verzettler in den Latschen tadellos, Tizi meinte gar frech, wir wären etwas langsam gegangen ;)
Während der Jause schauten wir uns in der Westflanke der Nördlichen Sonnenspitze (2655m) die Kletterlinie an - laut Führer nicht schwerer als II.

Der Fels war in der noch schattigen Wand ziemlich kalt, unsere Finger sträubten sich fast ein bissl. Zum Kraxln gings aber gut, die Wand war tatsächlich nicht schwierig und auch halbwegs guter Fels. Von Steinmanndl zu Steinmanndl hantelten wir uns weiter rauf und waren bald knapp unterm Gipfel, wos dann extrem brüchig wurde - aufgepasst! Kurz vor 14 Uhr waren wir dann oben, spätenstens da war klar, dass wir heut eher nicht früh heimkommen würden :)

Und schon kraxelten wir weiter, schon dass Runterklettern vom sehr brüchigen Gipfelaufbau dauerte seine Zeit, weil das möglichst einzeln gemacht werden musste. Am Grat dann Rätseln, wo gehts am besten weiter - Steinmanndln sind hier leider keine mehr. Wir kletterten dann zeitweise am Grat und wichen öfters wie im Führer beschrieben in die steile und teils wildest brüchige Ostflanke aus, hin und wieder konnte man Steigspuren auf einem Felsband erahnen. Gegen halb 4 war dann auch der zweite Gipfel (2665m) des Tages geschafft - juhui!

Eine halbe Stunde später machten wir uns auf die Socken zum Abstieg über den Südwestgrat - hier das selbe Spiel wie bei der Überschreitung: technisch nicht wirklich schwierig, aber wegen Bruchhaufeneigenschaften immer zum Aufpassen. Irgendwann wurde die scharfe Gratschneide dann breiter und ein bissl sanfter, dass man fast schon normal gehen konnte - bis zu den Latschen. Hier derfädelten wirs nicht in den Steig oder zumindest die Steigspuren ein, so dass wir mitten drin saßen - was nun? Karten- und Führerstudium ließ uns dann in die fackensteile Nordwestgraben des Grates runtersteigen, irgendwann musste der Steig ja daherkommen. Nur: wann? Mühsamst gings durch die steilen, schottrig-lettigen, teils latschendurchsetzten Schrofen runter ... nicht nur einmal schrie einer "Achtung Stein!"...

Schließlich standen wir dann am unteren Ende des Grabens, jetzt gings überall verdammt steil runter - wohin? Irgendwie konnten wir ein paar Steigspuren ausmachen und endlich auch ein Steinmanndl - und gleich noch eins! Ich folgte dem den Felshang querenden Steig und stieß auf einen Bolt mit Bandschlinge - tiptop! Vorbei wars aber noch lang nicht, über 200hm hieß es noch steil-schrofig abklettern, bis wir endlich, endlich unten waren. Erst um 18:30 waren wir wieder am unteren Ende des Moserkars!

Wir mussten noch zur Kastenalm rauslatschen, wobei ich meinen Schritt beschleunigte, für mich wars ja da noch nicht vorbei. Um 19:15 huschte ich in der Dämmerung bei der Kastenalm vorbei, die beiden anderen erreichten ein bissl später ihre Radln und konnten nach Scharnitz rausrollen. Bald wars finster und ich ging und ging, am Niederleger vorbei, am Hallerangerhaus (der Halligalli da drin schaute irgendwie nach Okasn aus...) vorbei und rauf zum Lafatscherjoch, ich blieb kein einziges Mal stehen. Der Abstieg zum Radl war in der Dunkelheit irgendwie zeitlos, aber auch irgendwann vorbei, sodass ich um 21:15 endlich da war. Über 10 Stunden reine Gehzeit (ohne Radteil in der Früh) zeigt mir meine Uhr an - und sowas macht man freiwillig? Wers braucht...

Nachdem die letzten Reste der Jausenbrote verdrückt waren, schwang ich mich auf den Aluesel und rollte die knapp 1100hm runter nach Hall, wo ich ganz direkt beim Oktoberfest im Stromboli eincheckte - die moderne Funktionswäsche stinkt auch nach einem 16-Stunden Tag am Berg nicht ;)
AlexH kam dann auch bald daher, nachdem er das Auto geparkt und vorbildlich geduscht hat. Was wir dann getrunken haben, dürfte eh klar sein...
Tizi war dann irgendwie doch ein bissl müde, sodass sie sich von der Badewanne direkt ins Bett verfrachtete - wohlverdient, denn sie ist echt super mitgegangen und nie wirklich zurückgefallen.

4050 bzw. 2000 Höhenmeter / langer Tag, super Tour mit allen (Un)Feinheiten, die das Karwendel zu bieten hat und die man daher wohl nicht oft machen wird... / eine kleine, aber feine Gruppe sind wir!

4 thoughts on “Überschreitung Sonnenspitzen: Karwendel live!

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