Same time, same station – Sölden morgens um 6:45, erfrischende 3 °C zum Start der 30. Auflageder Ötztalers. Zum fünften Mal in Folge erwische ich nun den Ötztaler von seiner besten Seite – trocken, schnee- und eisfrei. Die Zeichen stehen gut, die Form sollte ähnlich sein wie in den 2 Vorjahren und Rad ist scharf. Mein Ziel…wer will schon längsamer werden – die Marke vom Vorjahr: 7 h 53.
Die Abfahrt nach Ötz ist auch im vorderen Startblock recht nervös, ohne Komplikationen gehts hinein ins Kühtai. Ich finde gleich in einen guten Rhythmus hinein und führe eine 30-40 Mann starke Gruppe an. Als ich mich nach hinten umsehe, um die Position zu wechseln, sehe ich ein bekanntes Gesicht – Jan Ullrich fährt an meinem Hinterrad. Es ist für mich schon was besonderes, hat er doch sicherlich mit dazu beigetragen, dass der Radsport zu meiner Leidenschaft wurde. Am Küthai wartet er dann doch auf seinen “Kapitän”, welcher das Ziel in Sölden allerdings zwei Stunden später als er errichen sollte.
Nach einer aktiven und schnellen Abfahrt können wir dann bei Völs auf die Spitzengruppe aufschließen. Bei Innsbruck bietet sich die Gelegenheit ganz vor zu fahren, um mir eine neue Flasche von meinem Schatz, zu holen. Erst kurz darauf erfahre ich, dass noch drei Ausreißer vor mir waren – what shells ;)
Circa fünf minuten später als im Vorjahr erreichen wir den Brenner. Wertvolle Zeit, die Acht-Stunden-Marke ist doch immer wieder eine Minutenschlacht für mich. Die Vorjahreszeit zu knacken wird sauschwer, das ist mir nun klar. Im Jaufenpass fühle ich mich besser als im Vorjahr, die obligate Pinkelpause am selben stillen Örtchen wie die 2 Jahre zuvor, jedoch nur rund eine Minute kann ich herausholen. Nach einer schnellen Abfahrt, komme ich auch recht gut ins Timmelsjoch hinein. Nach ca. 30 min verliere ich endgültig etwas an Boden zu dem ein oder anderen Mitstreiter. Ich erninnere mich an letztes Jahr, das leidvolle, endlose Timmelsjoch. Obs nun die Beine sind oder der Kopf ist, die nicht mehr so recht wollen – ich weiß es nicht. Auf der Suche nach dem richtigen Gang, zu hart, zu leicht,…sitzend, stehend gehts Kehre für Kehre nach oben – es tut weh – aber es geht weiter. Wer jedoch hier noch locker fährt, hat vermutlich auf den drei Bergen zuvor auch nicht alles richtig gemacht. Kurz vor der Passhöhe wird es mir klar, die 8 h sind drin, aber es wird verdammt knapp!
Im Tunnel kracht es dann plätzlich, anschließend klirrt es. Langsam rolle ich hinaus ans Tageslicht. Mit ahnt schlimmes und so war es auch – eine Speiche ist gerissen. Nach verzweifelten Versuchen sie irgendwo herumzubiegen/stecken, blieb mir nicht über als das Laufrad raus zu nehmen und die Speiche irgendwie auszufädeln. Ich stehe zwar, nicht aber die Zeit. Das Laufrad schlagt links und rchts an die Bremse und wie sich im Nachhininein am Arrieb des Lackes herausstellte – es lief auch nicht mehr zwischen der Gabel durch. Danke an dieser Stelle an Jimmy Bodner, der mir dann sein Laufrad anbietet, die 8 h sind nun jedoch nicht mehr drin und ich beschließe, einfach langsam und sicher hinunter zu rollen. Nach der Bastlerei fahre ich bei 7 h 29 übers Timmelsjoch, nach 8 h 15 erreiche ich das Ziel – glücklich und freue mich,von meiner Liebsten empfangen zu werden!
Abschließend vielen Dank für die gute Betreung: Simona in Innsbruck, Papa am Brenner und Geri´s Eltern und Richi am Jaufenpass und auch dem Marian für die Flasche. Besonders gratulieren muss ich dem Vereinskollegen Martin Egger, der in einer Wahnsinnszeit von 7 h 49 das Ziel erreicht, sowie meinem Trainingspartner Geri, der trotz viel Arbeit und Hausbauen das Ziel in 8 h 27 erreicht.
