Es ist schon ein sehr imposanter Berg, die Wazespitze (3533m) in der Kaunergratgruppe der Ötztaler Alpen. Und ihr Ostgrat bietet laut bergsteigen.at klassische und fantastische Gratkletterei auf 740hm verteilt. Alles Gründe dieses Unternehmen anzupacken. (HIER geht’s zum Topo)
Wir starten am Montag bei Nebel von Plangeroß zur Kaunergrathütte, wo wir übernachten wollen. Dort alles tiptop, super Bewirtung, nette Wirtsleute (Danke an Familie Dobler).
Am Dienstag begeben wir (mein Vater, für den es die erste größere Kletterei ist, und ich) uns nach gutem Frühstück zeitig zum Einstieg des Grats und halten um 7.45 zum ersten Mal nicht ganz warmen und leicht feuchten Granit in Händen. Leider denk ich nicht ganz mit und sichere die ersten 8 SL inkl. der Schlüsselstelle mit normaler Vorsteigersicherung, schon der erste Fehler bei einer Tour, die 740 Kletterhöhenmeter hat. Nach der Schlüsselstelle werden ein paar SL am kurzen Seil absolviert. Knapp unterhalb des markanten (und im Topo erwähnten) Steinmanndls, wird dann das Seil aus Geschwindigkeitsgründen gänzlich weggelassen, was aber angesichts des leichten Geländes (Grad I bis II) nicht mit übertriebenen Risiken verbunden ist. Beim Passieren des Steinmanndls hege ich zum ersten Mal Zweifel, ob wir es in dieser Geschwindigkeit bis zum Gipfel und retour schaffen werden (es ist mittlerweile 12.30) und zu allem Überdruß finde ich genau an dieser Stelle den Weiterweg nicht sofort, weil ich das Topo falsch interpretiere. Schnell ist eine halbe Stunde verloren.
(TIPP: Nach dem Steinmanndl am Grat auf der markanten Platte bis zu einem kleinen Scharterl klettern, dann die Seite des Grats wechseln (in die N-Seite) und durch eine Rinne zu einem bald sichtbaren Bohrhaken aufsteigen!)
Trotzdem gehen wir vorerst durch brüchiges Schrofengelände weiter und setzen uns 14 Uhr als Umkehrlimit. Als ich dann um 10 vor 2 das Gipfelkreuz in einiger Distanz entdecke (ca. noch 70-80hm aber noch einiges an Wegstrecke), entscheide ich mich schweren Herzens kurz vor dem Ziel zur Umkehr um nicht beim Abseilen in die Dunkelheit zu geraten.
Der Abstieg ist nicht sehr schön, von unserem Umkehrpunkt bis zum Steinmanndl (ca. 150hm) präsentiert sich das Gelände sehr unübersichtlich, der Fels ist brüchig und oft schmierig. Der weitere Weg besteht aus abklettern im leichten Klettergelände (I bis II) und Abseilen über teils üble Schrofenabsätze (Seilkiller). Ab unterhalb der Schlüsselstelle kann man dann auf einer eingebohrten Klettertour in der Ostwand abseilen (siehe HIER, Route Nr. 02) um seine Nerven und das Seil zu schonen.
Schließlich kommen wir um 20.30 Uhr bei unseren Rucksäcken an und eilen alsbald zu Tal.
Der Hüttenwirt hat uns eher den Abstieg über den Ostgrat empfohlen, diese Empfehlung haben wir angenommen und deswegen keine Eisausrüstung mitgenommen. Da wir ja nicht bis zum Gipfel gekommen sind, war dann eh nix anderes möglich.
TIPP: Wenn ich nochmal gehe, würde ich den Eisabstieg wählen, auch wenn man dann ein bisserl mehr Material braucht. Deutlich weniger Abseilen und weniger Schrofengelände sind die Vorteile, Steinschlaggefährdung im steilen Gletscherteil der Nachteil (Steinschlaggefahr hat man aber auch beim Abseilen im Schrofengelände, mein Vater hat ungelogen ein Stein von ca. 30cm Kantenlänge dawischt, gottseidank hatte er einen Helm auf)
Fazit: schöne hochalpine (!!) Gratkletterei, viel Schotter-Schrofengelände (schätzungsweise 400hm), gute Wegfindungskenntnisse vorausgesetzt, nur die ausgesetztesten SL sichern (3-4 SL), den Rest kurzes Seil bzw. frei (!!), vermutlich Abstieg über Eisweg besser (wenn man um spätestens um Mittag den Abstieg beginnt), Tour nur für versierte/schnelle Alpinisten, für die Abseilfahrten sind 2x60m Halbseil von Vorteil (Eis- wie auch Felsabstieg)
