Schon lange wollte ich mehrere Tage über Alpenpässe in Richtung Süden fahren. Letztes Jahr war ich knapp davor – allerdings wurde mir da einen Tag vor Tourbeginn mein Bike gestohlen.
Heuer wars ganz anders – mein Freund Jachen aus der Schweiz schrieb mir kurzfristig ein Mail mit einem Link einer Transalproute mit der Frage ob ich dabei wäre. Was ist das für eine Frage – natürlich bin ich dabei. Noch schnell zwei Dienste getauscht (Danke an Dietmar, Tobi, Anna und Bernhard), ein paar Transalptracks vom Internet auf das GPS gezogen, ins Sporthaus OK – Beinlinge, Armlinge, Schuhregenschutz, Kettenöl, Kettenschloss, Kabelzug, Bremsklötze besorgt, um meine Ausrüstung zu komplettieren und schon gings am nächsten Tag mit dem Zug nach Mayrhofen.
1. Tag
Von dort fuhren wir mit dem Bike über Ginzling zum Schlegeisspeicher – bei einer Raststation gabs die erste Nahrungszufuhr und anschließend auch gleich den ersten Patschen bei Jachen`s Hinterrad zu reparieren. Ein kleiner Dorn war der Übeltäter. Weiter über den Neukaserwald zum Pfitscherjochhaus, von dort runter ins Pfitschertal – raus nach Sterzing v0rbei an Franzensfeste nach Aicha zum Gasthaus Klammerhof, wo wir das erste Mal übernachteten.
Fazit: Traumhaft schöner Tag, Pfundererjoch ließen wir wegen zu viel Schnee links liegen, wenig Schlaf (Vierbettzimmer schnarch – schnarch – schnarch, Zuglärm), 88km – 6.16 Stunden in Bewegung – 1960Hm Aufstieg und 1880Hm Abstieg, viel gelacht
2.Tag
Mit starkem Schlafmangel (zumindest für mich) gings bei schönstem Wetter auf die zweite Etappe durch das Pustertal in Richtung Kiens nach Ehrenburg. Von dort über Bergbauerndörfer nach St. Vigil und weiter in das Rautal zur Rifugio Pederü. Jachen und ich nutzten die frühe Ankunft für eine kleine Biketour zur Rifugio Fodara Vedla runter ins Val Salata und über Plan de Lasta wieder retour zur Rifugio und wieder retour zum Pederühaus. Jachen lernte dort das Latinische Watten – jetzt kann er nicht nur latinisch reden sondern auch latinisch Kartenspielen. Da wir ein Einzelbett und ein Dreibettzimmer bekamen, glaubten wir diese Nacht wird besser.
Fazit: Traumhaft schöner Tag, die kleine Abendrunde mit Jachen hatte es in sich, wenig Schlaf (Dreibettzimmer schnarch - schnarch, Kraftwerk), 69 km – 5:54 Stunden in Bewegung – 2120Hm Aufstieg und 1320Hm Abstieg, viel gelacht
3.Tag
Weiter gings mit Schlafmangel bei allerschönstem Wetter dem Tourhighlight entgegen. Durch das Valun de Vanes der Faneshütte entgegen und über den Ju de Limo dem Alta via delle Dolomiti 11 folgend durch traumhafte Landschaft zum Col de Locia und von dort teilweise das Bike runtertragend nach Capanna Alpina zum Campingplatz Sars. Dort gabs wieder ein Stärkung, damit wir den nächsten Anstieg zur Utia Pialongia schafften. Die Aussicht und das Gasthaus verführte uns zu einem nochmaligen Stop, bei dem wir dann allerbesten Südtiroler Buchweizenkuchen bekamen. Kurzentschlossen mieteten wir uns hier ein, drehten noch eine kleine Runde auf der Hochebene bevor wir wieder zum Abendessen, Kartenspielen und Herzjesufeuer schauen zurück zur Hütte kamen. Diesesmal zwei Luxus Einzelzimmer und ein Luxus Doppelzimmer :-).
Fazit: Wahnsinnstag, Jachen wird beim Kartenspielen immer besser, tolles Herzjesufeuer, halbwegs geschlafen – kein Schnarch :-) – 33 km – 3:55 Stunden in Bewegung – 1590Hm Aufstieg und 890 Hm Abstieg, Müde, viel gelacht
4. Tag
Voll motiviert gings in der Früh los. Wir glaubten die totale Orientierung zu haben – leider wars nicht ganz so, denn wir machten durch eine Abkürzung im Endeffekt 150 Hm und einiges an Weg mehr. Wir fuhren dann direkt durch einen Sumpf zur Utia Inzija und dann weiter zur Rif. Cherz. Martin merkte hier, dass seine Vorderbremse nicht mehr funktioniert und so legten wir immer wieder Pausen ein, um mit Grappa die Bremsscheibe zu putzen bzw. mit Schmirgelpapier die Bremsbeläge aufzurauhen. Von dort auf den Campolongopass, runter nach Arabba und dann wieder dem Trail folgend zum Passo Pordoi. Oben entschieden wir uns für die Tour auf das Sellajoch, wobei Martin und ich über einen steilen Karrenweg zur Rif. Valentini fuhren und wir uns alle wieder auf der Rif. Salei trafen. Dort stärkten wir uns noch für den nächsten Abschnitt – Plattkofelhütte über den Friedrich August Weg. Bei der Plattkofelhütte überlegten wir uns ein Ausstiegsszenario wobei wir zum Entschluss kamen, dass wir es gemütlich machen und noch einmal hier übernachten. Auch hier haben wir wieder zwei Einzelzimmer und ein Doppelzimmer in der Hoffnung einer ruhigen Nacht gemietet – allerdings blieb es nur bei der Hoffnung, da die Wände dort sehr dünn waren. Ganz nebenbei hatte Jachen hier seinen zweiten Platten am Hinterrad.
Fazit: Traumtag mit vielen Highlights, wenig Schlaf (tsching peng, Klospülung, Wandschnarch), viele gelacht, 36 km – 4:17 in Bewegung – 1600Hm Aufstieg und 1460Hm Abstieg,
5. Tag
Schon am Vortag haben Martin und ich beschlossen, dass wir uns den Sonnenaufgang am Plattkofel anschauen. Uns war zwar bewusst, dass der Langkofel davor steht aber es sollte trotzdem ein tolles Erlebnis werden. Um 4:45 Uhr machten wir uns auf den Weg und kamen locker vor dem Sonnenaufgang um 5:40 Uhr an. Um 07:00 Uhr trafen wir pünktlich zum Frühstück ein, wobei wir nicht lange trödelten und gleich wieder mit dem Bike zur Zallinger Hütte rollten, weiter zum exclusiven Almgasthaus Tirler und von dort über einen Trail nach Compatsch hinauf. Dort oben richtete Martin nochmals seine Bremsen und los gings. Nach einer Strecke von ca. 200m bemerkte ich, dass meine Vorderbremsen nicht mehr funktionierten – nächster Boxenstop – Bremsbelägetausch – und da ja aller guten Dinge drei sind hatte Jachen in der Mitte der Abfahrt nach Waidbruck auch noch fertige vordere Bremsbeläge, die er ebenfalls wechseln musste. Diese drei Boxenstops haben uns letztendlich wegen weniger Minuten um den Zug gebracht, der als einer der wenigen an diesem Tag in Richtung Norden fuhr. Nach fast vier Stunden Wartezeit kam dann doch noch ein Zug, der uns auf den Brenner brachte. Von dort trennten sich unsere Wege – Jachen und Klaus fuhren mit dem Bus weiter und Martin und ich radelten mit dem Bike noch über Patsch nach Mutters bzw. nach Absam.
Fazit: Traumhafter Tag, gut, dass wir genügend Zeit für die Rückreise eingeplant haben, 79km, 4:45 Stunden in Bewegung, – 1380Hm Aufstieg und 3580Hm Abstieg, viel gelacht, viele Bremsbeläge gewechselt.
Resümee: Unvergessliche Tage, wobei Flexibiltät über alles ging und jeder mit seiner Ruhe und Gelassenheit und vor allem Witz, für gelungene Tourentage gesorgt hat. Halte bei so einer Reise öfters inne . Insgesamt 304 km, 25:07 Stunden in Bewegung, 8650 HM Aufstieg und 9130 HM Abstieg
Video folgt noch!
