Das Wetter schien uns ein paar brauchbare Hochtourentage zu bescheren, so fuhren Dani und ich am Sonntag Früh ins Wallis. Tizi wurde kurz aber heftig von einem "entschlackenden Virus" heimgesucht und würde einen Tag später mit der Bahn nachreisen... Für uns gings am Sonntag von der Täschalp mit Zelt & Co im Rucksack zum Weingartensee auf 3050 m - das Westalpenhüttenambiente konnte uns gestohlen bleiben. Super Biwakplatz am Sandstrand des Sees, drüber Alphubel und Täschhorn, die wir am nächsten Tag überschreiten wollten. Also kamen wir um kurz vor 6 in anfangender Dämmerung weg und waren kurz drauf schon am unteren Ende des Rotgrats, über den wir den Alphubel besteigen wollten. In bestem Fels kamen wir in leichter Kletterei (II) rasch bis zu den Firnfeldern auf etwa 3700 m und überquerten diese auch recht problemlos, ohne die Eisen anlegen zu müssen. Der Felsgrat steilte dann anständig auf, der Einstieg vom Eis weg war plattig, glatt  und etwas knifflig, wir kamen aber auch hier drüber. Zunehmend machte uns der starke Wind und die Kälte im Schatten zu schaffen, wir mussten mit Handschuhen klettern und der Weiterweg war uns nicht immer ganz klar. Deswegen seilten wir an, da doch ein paar IV- -Stellen auf uns warteten. Immerhin war der Fels trocken und wir kamen am laufenden Seil auch gut voran, stiegen dann gegen 9:30 vom Fels auf das vergletscherte Gipfelplateau (4200m)  aus. Der erste Teil der Tour hat einmal super und flott hingehaut - also gabs ein zweites Frühstück :) Es folgte der erst gemütliche und dann gar nicht so flache Abstieg zum Mischabeljoch (3840m), wo wir den Anstieg aufs Täschhorn antraten - mit ein bissl Ungewissheit. Ists wirklich so brüchig, wie manche Berichte behaupten? Ja es ist. Man wird immer wieder verleitet, vom ausgesetzten, steilen Grat in die Ostflanke auszuweichen, aber das stellt sich jedes Mal als Fehler heraus ... da stecken Steine und Felsen auf wundersame Art festgehalten im gefühlt fast senkrechten Sand! Grausig! Schnell schauten wir, immer am Grat zu bleiben ... dort wars dann auch wesentlich besser und wir kamen flott voran. Weil jetzt im Spätsommer die großen Wächten nimmer ganz so groß sind, konnten wir uns wieder an ihnen vorbeischwindeln, ohne die Eisen anzuziehen. Ging auch gut, allerdings wohl auch nur mit einem zugedrückten Auge... Die letzten 150hm steilt sich der Gipfelaufbau noch einmal gscheid auf, der Fels ist unten wieder sehr schlecht und wird erst ganz oben besser. Nach 2h15min standen wir dann ganz allein am 4490m hohen Täschhorn. Endlich geschafft, wir waren durch den langen Zustieg dann doch ziemlich geschlaucht, auch die Höhe hat uns wohl ein bissl zugesetzt, weiter hätts nimmer sein müssen. Aber egal, jetzt warn wir oben und ließen es uns wieder mit einer gscheiden Jause gutgehen :) Im Nachhinein haben wir festgestellt, dass wir von dort oben fast alle 4000er der Alpen gesehen haben: das gesamte Wallis und die Berner Alpen sowie das Mont Blanc - Gebiet war im Blickfeld, in weiter Ferne konnten wir auch Bernina, Grad Paradiso und ganz am Horizont noch den südlichsten 4000er, die Barre des Ecrins erkennen. Geil! Nur die paar wenigen, wie Lenz- und Nadelspitze versteckten sich hinterm mächtigen Dom. Der Abstieg forderte uns noch einmal sehr, höchste Konzentration am Grat und in den brüchigen Abschnitten in den Flanken. Wir kamen ohne Zwischenfall gut am Joch unten an, brauchten aber fast so lang wie für den Aufstieg - egal, Hauptsache unten. Schon Am Gipfel haben wir gesehn, dass der Abstieg über den Weingartengletscher kein besonderes Zuckerschlecken sein wird ... teils ziemlich zerrissen und unübersichtlich, keine Spur sichtbar. Nach einer knappen Stunde im Irrgarten kamen wir aber doch irgendwie aus dem Gletscher raus und konnten von der Moräne dann schon die Tizi sehen, wie sie das zweite Zelt aufstellt ... juhui! Insgesamt 12,5 Stunden brauchte die ganze Tour, waren auch 1900 hm meist auf irgendwelche Graten. Anschließend gabs ein wohlverdientes Bad im doch eher ziemlich kalten See - fein wars :)     Am nächsten Tag schliefen wir ein bissl länger und packten dann unseren Krempel zusammen, um zur Täschhütte ab- und dann zum Alphubelsee auf 3170m aufzusteigen. Zelte wieder aufgebaut und am Nachmittag gingen wir noch auf den einfachen und unspektakulären Feechopf (3880m). Dani und ich waren eh noch ein bissl im Eimer vom Vortag und Tizi konnte sich so gut akklimatisieren und noch ein bissl erholen vom Virus. Zudem wurde das Wetter immer schlechter, zeitweise schneite oder regnete es sogar ein bissl. Nach einem erneut eisigen Bad im See kochten wir wieder ein gschmackiges Abendessen und dann ab ins Bett, wo uns mitten in der Nacht auf einmal ein riesiger Felssturz aus dem Schlaf riss!     Um halb 6 gings dann in der Dunkelheit Richtung Rimpfischhorn. Am Matterhorn konnte man am Hörnligrat schön die Schlange aus Glühwürmchen sehen, die sich den Hörnligrat hinauf bewegte... Beim Hellwerden kamen wir dann nach einem 150hm-Abstieg zum Mellichgletscher, den wir überqueren mussten, um über den WSW-Grat auf den Gipfel (4199m) zu gelangen. Als Abstieg hätten wir den spitzen Nordgrat vorgesehen (im Abstieg deswegen, weil dann der große Gendarm auf der schwierigeren Seite (IV+) nach oben zu überklettern ist). Ein paar Tschechen überholten wir nach einem ewigen Gletscherhatscher am letzten Gletscherstück, bevors das vereiste Colouir (45°) hinaufging. Das Wetter war anders als erwartet alles andere als perfekt, dichte Wolken zogen durch und dazu kam am Kamm ein wirklich saukalter Nordwestwind auf, die höheren Gipfel wie Matterhorn und Dufourspitze waren die meiste Zeit im Nebel - nicht grad ideal für unser Vorhaben? Dann stand noch leichte aber schöne Kletterei (II) in festem Fels hinauf zum Gipfel bevor. Am Gipfel wars dann fast winterlich kalt, und nachdem noch ein kurzer Graupelschauer durchzog und der Wind nicht grad schwächer wurde, entschieden wir, den Nordgrat auf einen angenehmeren Tag zu verlegen. Gegangen wärs vermutlich, aber nachdem wir schon beim Aufstieg zu kalt hatten, trauten wir uns nicht zu, 2 bis 3 Stunden am ausgesetzten Grat auf und ab zu klettern. Zudem wurden die Wolken immer dunkler... Der Abstieg dann gleich wie Aufstieg, wobei zwischendurch immer wieder die Sonne rauskam und etwas Wärme brachte, trotzdem behielten wir die längste Zeit die Daunenjacken an. Nicht fein am Grat... Wir erreichten unsere Zelte und packten das ganze Zeug wieder zusammen, runter gings zur Täschalp und ab Richtung Heimat. Käsefondue und Raclette in Andermatt ließen wir uns natürlich nicht entgehen. Beim Abendessen dort fings dann auch an gscheid zu schiffen, also wenigstens da hatte der ÖAV-Wetterbericht mit dem Wettersturz recht...   4 bzw. 3 wunderschöne und spannende Tage im Wallis, wo uns auch ganz lässige Touren mit insgesamt 5500hm gelungen sind. Wir kommen wieder - bei jedem Gipfel, den wir gesehen haben, kamen gleich neue Ideen auf :) Unsere Biwakplätze an den kleinen Seen waren sowieso unschlagbar...

4 thoughts on “Immer wieder Wallis

  1. ja, schon seit mindestens 3-4 jahren gsagt, dass i dort hinfahr aber irgendwie nie umgsetzt, die motivation dafür wird mit diesem bericht wieder angehoben! läassige touren & bericht!

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