Eigentlich hab ich wen gesucht, der mit mir die guten Verhältnisse nutzt und die Hochferner Nordwand geht. Nach ein paar Absagen fragte ich dann den Hans, der aber meinte, dass man bei den super Verhältnisse schon was gscheids machen muss. Ortler muass her! Phu ... gleich so ein Kaliber? Immerhin durchwegs 55-60°, Stellen ~70° ... ich war mir nicht sicher, ob ich das schaffen würde. Sooo viel Eiserfahrung hatte ich bis jetzt noch nicht, mehr als 60° bin ich noch nie gegangen, und schon gar nicht eine 1200 m hohe Wand. Aber egal, die Verhältnisse müssten ja echt sehr gut sein, für Hans ists vom Technischen her sowieso kein Problem und ich packs konditionell sicher leicht ... also des muss schon hinhauen! So sind wir dann am Dienstag Abend nach Sulden und schliefen direkt beim Startpunkt im Auto(bett). Wecker um 4 Uhr, um 4:45 kamen wir weg. Zuerst den Schotterweg, dann am Hüttenweg zur Tabaretta und irgendwann erreichten wir die große Moräne, auf der wir zum Wandfuß gingen. 2 Spuren konnten wir im Schnee entdecken, vermutlich die beiden, die laut gipfelbuch.ch am Wochenende super Verhältnisse vorfanden. Allerdings lag dann gleich eine riesige, recht frische Lawine am Wandfuß, und vorbei wars mit den alten Spuren. Einstieg etwa 6:30. Mit Steigeisen und noch mit den Teleskopstecken stiegen wir in der harten, griffigen Lawinenbahn recht flott ein paar hundert Höhenmeter auf, viel mehr als 40° hats da noch nicht. Bei der ersten Engstelle auf knapp 3000m packten wir Eisgeräte und Seil aus und gingen am losen Seil in super Trittschnee weiter. Unter der Gurgel wurde es dann langsam eisig, ab da setzten wir Schrauben mit Tibloc bzw. Express sobald Eis hatte, im Schnee konnten wir eh nix sichern. Das Eis war strukturiert, nicht spröde und supergriffig, echt perfekte Bedingungen! Ein Sologänger hat uns auch überholt, er ging die Wand schon zum 9. Mal! Hans stieg die steilsten Seillängen vor und ich hinterher, alles am laufenden Seil. Nur zur Materialübergabe machten wir Stände, wo wir auch unsere Wadln ein bissl entspannen konnten - des zieht ganz nett an :) Die letzten paar Seillängen ging dann wieder ich vor, da wars bis auf einen Gupf nicht mehr ganz so steil. Ich stieg dann am Ende der Eiswand ganz links aus, dann war es nimmer allzu weit bis zum Gipfel (auch wenn ich dann schon ein bissl am Seil ziehen musste, damit was weitergeht ;) ). Dort standen wir um 10:45. Droben haben wir uns dann eine anständige Pause nicht entgehen lassen, es war fast windstill und recht warm bei einem super Panorama - einfach fein. Die fast 1,5 Stunden am Gipfel kamen uns gar nicht so lang vor, aber irgendwann mussten wir doch wieder runter. Bis zum Lombardibiwak auf 3300 m gings über den großen Gletschern flott dahin, dann fing die Kacke an ... die Abkletterei in den schneebedeckten IIer-Stellen war nicht grad sooo fein und brauchte im Endeffekt fast Ewigkeiten, die Payerhütte wollte und wollte nicht näher kommen. Auch bis zur Tabarettahütte wurden die Bedingungen nicht wirklich besser, die Motivation war auch schon am Oasch und ein 2100 hm - Abstieg is sowieso kein Zuckerschlecken. Irgendwie schafften wirs aber doch runter, sodass wir nach 11 Stunden wieder beim Auto unten waren!   Super Tour, aber schon recht weit und objektiv auch nicht ganz ungefährlich (gewaltige Seraks vom Ortlerplatt-Gletscher rechts oben warten nur drauf, bis sie irgendwann einmal daherkommen!)      

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