Es war heuer mein 5. (!) Anlauf für die Westalpen (3x Schlechtwetter, 1x krank), und endlich hat alles - vor allem das Wetter! - gepasst. Fast alles, denn aus Tourenplan A wurde Plan B und schließlich Plan C oder D, weiß nimmer so genau. Jedenfalls sind wir vergangenen Freitag gleich nach der Arbeit ins Auto und waren ein paar Stunden und Schweizer Rösti später endlich in Oberaar (Grimselpass) angekommen. Am Samstag gingen wirs gemütlich an und starteten so gegen 8. Den Stausee entlang hinein und dann fing auch schon gleich der Oberaargletscher an, auf dem wir dann in ein paar Spuren im Neuschnee vier Stunden später zum Oberaarjoch (3220m) gelangten - die Rucksäcke waren trotz Sparmaßnahmen wieder einmal zu schwer, oder wir nix mehr gewöhnt. Weiter über den Studergletscher gemütlich hinauf zur Gemschlicke (3320m) - einer vermeintlichen Abkürzung. Merke: glaube immer dem Führer, wenn er schreibt "im Sommer nicht zu empfehlen" - der Abstieg war dann von senkrechter Schutthalde und Steinschlag geprägt. Gut, dass wir nur zu zweit waren... Der Abstieg runter zum riesigen Fiescher Gletscher (2800m) zog sich ziemlich, noch mehr zog sich dann der Aufstieg über selbigen zur Finsteraarhornhütte (3048m). Die hochalpinen Hütten haben alle schon geschlossen, also quartierten wir uns im Winterhüttli ein, der Franzose Michel leistete uns Gesellschaft. Er wohnt in Paris und fährt alle 2 bis 3 Wochenenden in die Alpen zum Bergsteigen - meist allein. Er war heute auch schon allein am Finsteraarhorn...   Nach einem gemütlichen Abend gings zeitig in die Betten (Federbetten!!) und noch zeitiger auf: um 4:45 stolperten wir über den Moränenschutt schon wieder hinunter zum Fiescher Gletscher, bogen auf diesem rechts ab und nach ein bissl Zick-Zack durch die Spaltenzone gings dann recht gut dahin. Schon beeindruckend, wenn man im Stirnlampenkegel rund um sich nur den Gletscher und sonst nix sieht, der gleich hell funkelt, wie die Sterne vom wolkenlosen Himmel. Auf den umliegenden Bergen konnten wir insgesamt 4 Stirnlampenkegel sehen, sonst total allein :) Bei der ersten Möglichkeit bogen wir rechts ab, pünktlich zum Hellwerden. Zum Anseilen wars dann auch - zu Recht, weil am Weg zum Agassizjoch wurde es unter einer dünnen Schneedecke teilweise ziemlich spaltig, Einsacker inklusive. Im Nachhinein bin ich froh über das Timing, denn im Dunkeln hätts noch unangenehm werden können... Am Agassizjoch (3747m) steilte sich dann der Agassizgrat sehr steil und ausgesetzt auf ... Tizi hat der Atem ein bissl gestockt (ja, kalt wars auch), ich hab mich aber schon gefreut. Bissl Anspannung war doch da, wie der Mangel an Fotos auf dieser Passage beweist :) Sind dann am halblangen Seil hinauf, zuerst noch im Firn mit Eisausrüstung, dann wars felsig genug, um nur mit den Bergschuhen klettern zu können. Nie schwer zum klettern, aber oft ziemlich ausgesetzt, teils auch brüchig - wir gingen am laufenden Seil mit Tiblocsicherung. So kamen wir ganz gut voran, dass der felsige Teil bald zu Ende war. Dann wieder Steigeisen und Pickel raus und ziemlich steil teils am verschneiten Grat, teils in der Südflanke hinauf zum Hugisattel - hier kamen wir wieder auf den Normalweg. Super wars bis daher! Es ging in ähnlicher Manier weiter, teils Südflanke, nach oben hin eher schmaler Grat, beeindruckende Blicke durch Löcher in den Wächten die senkrechte Nordwand hinunter inklusive... Kurz nach 12 waren wir dann oben - Traumwetter, allein am Gipfel und nur ein bissl Wind, was will man mehr! Nach der ausgiebigen Gipfelpause gings dann mit Respekt wieder den Grat hinunter. Am Hugisattel allgemeine Entspannung, wir mussten nur noch den Normalweg über den Gletscher hinunter zur Hütte. Ein paar nette Spalten gabs auch hier, aber alles kein Problem und so waren wir kurz nach 16 Uhr wieder auf der Hütte. Ausreichend Zeit, um noch im Bach zu baden und uns dann auf den warmen Gletscherschliffplatten wärmen zu lassen ... sooo fein, fast schon luxuriös! Diesen Abend waren wir allein auf der total gemütlichen, kleinen Hütte (wenn die 10 vorhandenen Betten voll sind, ists allerdings mit Sicherheit ziemlich ungemütlich auf den restlichen 3 Quadratmetern...). Zeit zum kochen, Tee trinken und genießen.   Am Montag, als die Allgemeinheit so langsam ins Büro musste, mussten wir um kurz nach 6 unser feines Quartier wieder verlassen und stiegen über einen neuen Weg wieder ab zum Fiescher Gletscher. Diesmal gings nach links, da wo wir hergekommen sind. Die Gemschlicke konnte uns allerdings am A**** lecken, erst bei der "Kreuzung" mit dem Studergletscher wechselten wir wieder zurück auf diesen und kamen so in einem weiten Bogen wieder aufs Oberaarjoch. Gepäckdepot und wir stiegen noch über die ansprechende, halbwegs steile Firnflanke und den kurzen, aber netten Granit-Westgrat zum Oberaarrothorn (3620m) auf. Dort noch einmal Genuss und Rückblick zur gestrigen Tour - der Abstieg zum Stausee runter sah aber dann noch ziemlich lang aus. Egal, irgendwann war auch der zu Ende und wir konnten mit den letzten Sonnenstrahlen, bevor die Wolken vom Schlechtwetter daherkamen, noch im Oberaarstausee baden (Temperatur: ca. 3 Zentimeter! - immerhin auf 2300 m Höhe). Die Touris haben blöd geschaut :) In Andermatt noch standesgemäß ein Racelette, dann ab nach Hause. Wär echt schnell gegangen, wenn wir nicht vorm Arlbergtunnel fast 45 Minuten warten hätten müssen - aber an das muss man sich gewöhnen: Totalsarnierung bis 2016.   Fazit: ein total lässiger und sehr einsamer Ausflug ... bis auf unseren kleinen Franzosen am ersten Tag haben wir keinen Menschen gesehen, immer total allein am Weg! Der September ist ein Segen, wenn die Verhältnisse top und die Hütten schon geschlossen sind! Ein Genussgipfel, ein anspruchsvoller Gipfel, ein paar Jöcher und einige Kilometer haben wir auch hinter uns gebracht. Kommen gerne wieder :)

3 thoughts on “Ausflug in die Berner Alpen

  1. haha :) Wassertemperatur in cm :D is amal eine neue idee. vielleicht wirds a SI-Einheit.

    cooler bericht. mir persönlich zu viel schnee nach dem eh schon besch*** sommer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.