Gottseidank lieferte unsere Firma in der Vergangenheit einige Motoren bei denen es ab und zu Probleme gibt (heute natürlich nicht mehr - jetzt funktioniert alles). Dieser Umstand und unternehmenspolitische Gründe (boah klingt des gschwollen) bescherte mir einen 3 1/2 wöchigen Aufenthalt in Argentinien. Die eigentliche Arbeitszeit wurde von vornherein nur mit 2 Wochen eingeplant, jedoch machte die Notwendigkeit eines Arbeitsvisums einen mehrtägigen Aufenthalt in Buenos Aires notwendig. Nit schiach de Stadt sag i lei... Danach gings planmäßig für 2 Wochen auf die Kundenanlage, wo dann einige Stunden gearbeitet, inbetriebgenommen, optimiert, gemessen und gefachsimpelt wurde. Durch exzessiven und intensiven Arbeitseinsatz aller Beteiligten konnte der Kundenbesuch pünktlich wie die Eieruhr am Samstag, den 21.03.2015 beendet werden, wodurch mir noch weitere 8 Tage für meine privaten Unternehmungen übrig blieben. Zuerst gings mit dem Schlafbus (wie in der Businessclass im Flieger) nach San Martin de los Andes in den nördlichen patagonischen Anden. Dort wurden wegen des verwegenen körperlichen und geistigen Verschleißes der vergangenen 2 Arbeitswochen 2 Nichts-Tun-Tage eingeschaltet. Nach äußerst erfolgreicher Regeneration inklusiver exzessivem Verzehr verschiedener argentinischer Spezialitäten (Alfajores Zuckergebäck, Steaks mit Pommes, Malbec Rotwein, Patagonia dunkel Bier, Pasta so gut wie in Italien wenn nicht besser, Empanandas = Krapfen, Schnitzelburger so groß wie 2 zuhause, usw) waren die Energie- und Motivationsspeicher mehr als gefüllt und ich bereit um den nicht zu unterschätzenden Anstieg auf den Vulkan Lanin in Angriff zu nehmen. Der Berg ist gar nicht so besonders von den Daten (3776m und ein Vulkan, also nicht senkrecht), bei genauerer Betrachtung ist er jedoch schon etwas besonderes: Wahrzeichen des gleichnamigen Nationalparks und der argentinischen Region Neuquen, im Umkreis von 200 km mit 1000 m Abstand der höchste Berg, wildest vergletschert auf der Südseite (mia sein auf da andan Hälfte der Weltkugel) und einfach schön. Ich denke die Bilder können dies gut untermalen. Los ging's mit einer nicht ganz unkomplizierten Anreise in den NP Lanin. Wegen der Nebensaison gab's öffentlichen Verkehr nur am Fr und So und ich war am Mo da - Pech für Hugo Simon. Darum wurde ein freundlicher argentinischer Taxifahrer engagiert - nicht ganz billig um umgerechnet 60 Euro, aber mia san ja im Urlaub... Bei der Rangerstation Puerto Canoa wurde dann der viel zu schwere Rucksack geschultert und für 2-3 h in das lange Rucu Leufu Tal getragen. Hier wurde Lager bezogen und ohne Gepäck noch am Abend Richtung Gletscher aufgestiegen um den Zustieg zu erkunden/fotografieren. Die Kenntnis der exorbitanten Länge der Tour (2500 hm ab dem Lagerplatz und unzählige km) machte einen nächtlichen Start der Aktion unabdingbar - somit schellte der Wecker um Nulldreihundert und so näherte ich mich nach dem Verzehr 2er "Alfajores grandes" und 1 Liter Tee gemütlichen Schrittes dem  wilden Gletscher an. Wild nicht nur der Gletscher, sondern auch die Länge des Zustieges (4h). Im ersten Morgenlicht wurden nun die Steigerler +2 Eisgeräte angelegt und sich die ersten 200 hm durch den pickelharten, blankeisigen Gletscher hinaufgefürchtet - gar nicht ohne die Blank- und Steilheit. Danach wurds deutlich flacher, allerdings auch deutlich mühsamer: die letzten 500 hm bis zum Gipfel waren geprägt von äußerst widerwärtigem, unausweichlichem Büßereis und als Sähnehäubchen immer wieder auftauchenden riesigen Gletscherspalten (die größte sicher 200 m lang und 5 m klaffend). Irgendwann kam ich dann doch unter Vorhandensein derbster Angeschlagenheit am Gipfel an. Trotz allem konnte ich das Gipfelpanorama genießen und bei sturmartigem Wind sogar ein paar schöne Fotos schießen. Dann sofortiger Abstieg auf die Nordseite, wo sich 3 Refugios befinden. Dass der Rückweg zu meinem Lager auf der Südseite des Berges heute nicht mehr möglich ist, war gleich klar und ich wurde sehr freundlich von den Militär-Burschen und dem Bergführer auf der Miltiärhütte aufgenommen - inklusive Nachmittagsjausn, obligatorischem Rindfleisch-Dinner und Malbec Rotwein - pipifein! Am nächsten Morgen wurde der - trotz Warnung aller - extremst lange Rückweg über die Moränenhänge der Ostseite in Angriff genommen. Die Vermutung, dass nach der ersten Möränenüberquerung flaches Pampagelände bis zu meinem Ziel führen würde wurde mindestens 12-13 mal verneint. Somit kam ich nach 9-stündigem Dauermarsch über widerwärtigsten Vulkanschutt (inklusive Wasserfallumgehung und Sumpfwaten) am Ziel meiner Träume - der Rangerstation Puerto Canoa - an. Gezeichnet aber glücklich! Zum Ausspannen wurden die folgenden Tage noch im Nahuel Huapi und Los Arrayanes NP etwas weiter südlich verbracht. Zurück nach Hause ging's dann von Bariloche über Buenos Aires, Frankfurt nach Innsbruck. Auch ein ewiger Trip. Gottseidank mit Beinfreiheit :-) Fazit: extrem facettenreiches und riesiges Land, sehr nette Leute (deutlich netter als in Ecuador), weltweit höchste Haserldichte (i darf des sagen, i heirat bald), weltbester Rotwein und Rindfleisch, extreme (Tor)tour der Lanin

4 thoughts on “Viva Argentina!

  1. hoho…bei der tour hast nix ausgelassen :) … und militärstation mit rotwein :) des sollten sie bei uns auf die berge auch einführen!!

  2. coole aktion! was die haserldichte betrifft hoff i, dass mit denen nit so umgangen wird als wie mit die meerschweinchen in ecuador und dass nur im übertragenen sinne „einibraten“ wird ;)

  3. also i hab – wie es sich für einen verlobten gehört – nur gschaut! Haserl werden in Argentinien aber im allgemeinen nit gebraten, de geben viel zu wenig her ;-)
    Aber zum Anschaugn sein sie grad recht!

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