Nein – ich habe Simona weder gezwungen, erpresst, noch hab ich ihr sonst irgendwas angedroht, dass sie mit mir einen Streifzug durch die Westalpen macht, um einige der großen „Monumente“ der Tour de France zu erkunden. Nahezu eingeninitiativ hat sie sich dazu bereit erklärt ;) Auch dieses Jahr waren wir wieder in der glücklichen Lage, Laurins Bus ausführen zu dürfen – DANKE nochmal an dieser Stelle, er hat wieder super Dienste geleistet. Relativ planlos und doch eher aus dem Bauch heraus nähern wir uns der über Turin der französischen Grenze. Zufüllig liest Simona, dass der Grenzübergang via den 13 km langen Frejus-Tunnel über 60 EUR kostet, so dass wir kurzerhand unseren ersten (ok, nach dem Brenner;) hohen französischen Pass, „leider“ nur motorisiert mit bereits zuckenden Kniern, in Angriff nehmen: Col du Mont Cenis. Dabei wird uns unbescholtenen Alpenpasstouris eines gleich klar: die Alpen gehen nicht nur vom Karwendel zu den Dolomiten, die atemberaubende, weitläufige, endlos erscheinende Kulisse weckt nun endgültig den Hunger nach mehr, vorzugsweise gefühlsecht mitm Radl. Unser erster Stützpunkt ist St. Jean de Maurienne. Besser geht’s nicht, das Örtchen dürfte wohl das Herz der Tour sein. Nahezu sternförmig erreicht man die namhaften „Schicksalsberge“. Dies wird mir gleich bei der ersten „Ausschautour“ noch vorm Einchecken am Campingplatz Richtung Col de Croix de Fer und La Toussuire bewusst – man sich sich geradezu aussuchen, ob Glandon, Madeleine, Telegraph, Croix de Fer, Mollard,... So soll und unsere erste Ausfahrt über den Col du Mollard weiter zum Col de la Croix de la Fer und über den Col du Glandon wieder zurück führen. Der Col du Mollard wird uns leider auf halber Strecke verwehrt, Straßenarbeiter lassen uns nicht passieren. Kommando retour und direkt auf den Croix de Fer auf 2067 m. Wow, auf den letzten 6 Kilometern nach dem links-liegen-zu-lassenden Retortenort St. Jean d' Arves geht’s in genialer Kulisse auf die Passhöhe. Wenn es mich nicht täuscht, kreist ein Adler über uns (es wird sich am Folgetag bestätigen, dass ich mich nicht täusche, als alter Biologe ;). Dieser hält vermutlich Ausschau nach fetten Murmeltieren, was auch wir machen, um nicht eines platt zu machen, nicht nur zum Schutz des fetten Tieren versteht sich. Vom Col de la Croix de Fer geht’s unschwierig auf den ähnlich hoch gelegenen Col du Glandon. Es wartet nun eine 30 km Abfahrt über mythischen TdF Aspahlt auf uns, woran uns die zahlreichen Straßenbemalungen ständig erinnern - “Vive le Tour“. Im Tal angekommen lachen uns schon die spektakulären Kehren nach Montvernier entgegen - „Lacets de Montvernier“ - einfach genial diese Straße, nicht umsonst auch Schauplatz der Tour de France. Nach über 2500 hm haben wir dann fürs Erste genug gesehen und und erblicken am Rückweg schon den Wegweiser für das Ziel am nächsten Tag: Col de la Madeleine, bereits 26 mal Teil der Tour de France. Der lange Anstieg mit über 20 km bietet eine tolle Aussicht die Maurienne und die umliegende Bergkulisse. Wiederum auf den letzten ca. 6 km erwartet uns dann die freie Sicht über der Waldgrenze. Und ja, es war bestimmt ein Adler am Croix de la Fer, schließlich kreisen hier einige dutzend dieser majestätischen Gestalten über uns. Da fragt man sich schon, was der Adler auf unserer Fahne zu suchen hat?! Der Blick auf den Mont Blanc, welchen man vom Col de la Madeleine haben sollte, verdeckt uns leider eine hartnäckige Wolke. Die Abfahrt wieder ein Naturkarussell und Balsam für die Seele. Weil wir schon bei den klingen Schicksalsbergen sind, führt es uns am nächsten Tag auf den Col du Telegraph. Trotz zügigen Tempos reiße ich mit 40 min gleich gleich gute 10 min auf die Rekordzeit von Contador auf. Naja, das war bestimmt der kleine Rucksack ;). Aber nichts für ungut, unser „Col de Telegraph“, der Sendemasten vom Tulferberg, steht dem Original um nichts nach!! Umso mehr staunen wir allerdings über die die vermutlich größte Arena der Sportgeschichte – Col de Galibier. Nahezu ehrfürchtig klettert man die Kehren durch eine verblüffende Mondlandschaft begleitet von den Spuren der Tour der letzten Jahrzehnte „Vai Nibali“, „ULLE“, „RIIS“, „Fignon“, „Il Pirata“,... empor. Atemraubend wie atemberaubend fährt man der 2604 m hohen Passhöhe entgegen. Nachdem bereits jemand vorab unser motorisiertes Geschoß bereits hinauf verfrachtet hat (wer wohl),freuen wir uns oben angekommen auf den warmen Bus und eine gute Stärkung. Weiter gehts Richtung Süden per Automobil und in der Abfahrt Richtung Col du Lautaret und weiter nach Briancon. Als nach einer saukalten klaren Nacht in Briancon auf ca. 1200 m Meereshöhe die ersten wärmenden Sonnenstrahlen vordringen wartet bereits der nächste Leckerbissen auf uns: Col d'Izoard. Um daraus eine schöne Runde zu machen starten wir noch ein Stück südlicher von Guillestre hinauf auf den Col d' Izoard. Ich erlaube mit dabei nach der spektakulären Schlucht Combe du Queyras einen kleinen Abstecher Richtung Col Agnel, nicht gänzlich vollendeter Dinge macht auch dieser Pass allerdings einen vielversprechenden Eindruck. Man kann nicht alles haben und so geht’s schnurstracks wieder auf die ursprüngliche Route. Nach der ein oder anderen steilen Geraden gelangt man ab ca. 1800 m wieder in eine fesselnde, schroffe und markant geformte Alpenlandschaft, in welcher skurrile Felstürme aus endlosen Schutthalden empor steigen. Einfach Gewaltig. Nach einer langen Abfahrt erreichen wir wieder Briancon und folgen nach einer kleinen Stärkung als kleinen Wermutstropfen der Hauptstraße bei Gegenwind zurück nach Guillestre. Motorisiert nehmen am nächsten Tag den Col du Vars in Angriff, welcher sich neben seinen bekannten Nachbarn auch nicht verstecken muss. In Jausiers angelangt werden unsere Beine wieder etwas unruhig und das Rad muss wieder herhalten - ss geht hoch hinaus auf den Col de la Bonette. Eine Strasse bis auf 2802, wenngleich Passhöhe ca. 80 m darunter liegt. Nach schönen Kehren in ländlichen Weidegebieten führen die letzten rund 10 km wieder durch eine kolossale Berglandschaft. Was einen Menschen dazu bewegt, dort hinauf eine derartige Straße zu bauen ist mit zwar etwas schleierhaft, aber wir dürfen uns darüber freuen. Von der Passhöhe könnte man vermutlich die längste Abfahrt der Alpen antreten, 100 km und 2700 hm bis nach Nizza. Von der Passhöhe ausgehend kann man noch eine Ehrenrunde um den Berggipfel Cime de la Bonette drehen, welche vermutlich eine kleine Machtspielerei darstellt, um der Bezeichnung „Plus haute route d’Europe“ gerecht zu werden. Egal, wir können uns über die gewaltige Rundumsicht freuen. Etwas weniger erfreulich, noch weniger ins Landschaftsbild passend aber leider trotzdem Teil der Geschichte sind die Punker der Maginot Linie knapp unterhalb der Passhöhe. Für unsere Weiterfahrt Richtung Süden entscheiden wir auf der Route des Grandes Alpes zu bleiben und nehmen uns parallel zum Col de la Bonette den Col de Cayolle vor. Wenngleich im Bus fahrend war mein Puls kaum niedriger als bei der Radauffahrt auf den Bonette. So schön die Straße sich durch die eindrucksvolle Schlucht Gorges du Bachelard auch schlängelt, sie ist verdammt schmal, hat kaum Weichen und keinen Zentimeter Bankett zum nackten Kalkfels. Verdammt bin ich froh, dass wir erstens spät im Jahr sowie tageszeitlich spät dran sind, so dass so gut wie kein Gegenverkehr war. Mit dem Rad wärs ein absoluter Leckbissen, mit einem etwas größeren Auto eher ein Nervenkitzel. Dem Autolack zuliebe verlassen wir nach dem Nervenkitzel die Route des Grandes Alpes und fahren unverhofft durch die Gorge de Dalius. Welche sich für uns ganz unverhofft als eine verdammt coole Schlucht herausstellt. Neben tiefroten kargen Felsen fährt man dem Schroffen Canyon entlang. Da soll sich noch einer auf die Straße konzentrieren können?! Mit einem kurzen Stopp zum Schlafen lassen wir dann Nizza und Monaco links liegen und fahren bei Menton von Süden her nochmal ein Stück in die Route des Grandes Alpes ein, genauer gesagt bis nach Sospel. Ein idyllisches Örtchen, was mir nicht ganz unbekannt ist. Hier ausgehend wartet noch eine schöne Radrunde in den Seealpen auf uns. Genüsslich fahren wir der tiefen Schluch Gorges de Piaon entlang, welche immer wieder spektakuläre Tiefblicke in den Canyon zulässt. Auch die schönen Kehren lassen das Radlerherz höher schlagen, bis man die letzten 2-3 km dann doch etwas unspektakulär den Col de Turini erreicht. Auf der Abfahrt Richtung Col de Braus erwartet uns noch eine Straße der hohen französischen Straßenbaukunst, wo einem beim Anblick der vielen Kehren schön leicht schwindlig wird. Vielleicht wäre daher die Runde gegen den Uhrzeigersinn noch etwas eindrucksvoller gewesen. Aber wir waren auch so sehr happy über dieses super Tagerl. Zur Abrundung lassen wir den Urlaub noch mit ein paar Tagen in Ligurien und weiter auf der Gardalackn ausklingen.  

4 thoughts on “Col Collective

  1. supergeil … hab also nit zu viel versprochen :)
    und JA, der Turrini is in die andere Richtung sicher a bissi spannender :)

  2. gewaltig! simona hat mir jedoch erzählt, du bist mehr im auto rauf gefahren und mitn radl nur gscheid oi…naja :)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.